Es gibt ja Dinge im Leben eines Menschen, die sind erst beim genauen hinsehen komisch. Dieses gehört nicht dazu. Beim Aqua Gym im Fitnessstudio unseres Vertrauens springt einem die Groteske mitten ins Gesicht.
Ich war heute wieder Zeuge einer solchen vollschlanken Versammlung und kann nun nicht an mich halten, es muss raus.
Ort des Geschehens
Ich finde zuallererst, dass die Betitelung Aqua Gym viel zu vorteilhaft ausgewählt wurde: Happy Hyppo Hüpfen trifft das viel besser oder Potwalplantschen, lässt sich aber nicht so gut vermarkten.
Ich schwimme also meine Bahnen, in Frieden, an nichts Böses denkend, da sehe ich die Herde langsam auf mein Wasserareal zu steuern. Ich denk noch, dass der Zoo seine Sicherungskonzepte überdenken soll, sehe aber dann die quirlige Trainerin mit Ihrer Musikbox und Headset und flottem Stirnband am Beckenrand werkeln und weiss es ist soweit:
Binnen weniger Minuten wird der Wasserspiegel um mehrere Meter steigen und die Luft erfüllt sein von billigen DJ Bobo Motivations Dancebeats, viel zu laut und zerrig aus den ächzenden Boxen dröhnend. Das sieht aus nach: *tättää*
Aqua Gym!!!!
Und ich liege richtig. Die weiblichen Öltanker lassen sich in das Wasser herab und man sieht den seeligen Ausdruck von Gewichtserleichterung in Ihren Augen. Tja unter Wasser haben wir doch alle gefühlte Kleidergrösse 38.
*frage mich grad ob die dargebotene badeanzugwahl in der zeltabteilung oder bei den lkw-planen angeboten wird*
Dann schien das loszugehen. Die LSD Hüpfdohle am Beckenrand schreit in ihr übersteuertes Mikro. „So Ladies!“
*schaue mich erfreut um, dass doch irgendwo lecker mädsche in die halle gekommen sind und werde entäuscht. miss power meinte tatsächlich die säugetierinnen im wasser*
Gabriele, Uschi und Gudrun und wie die Mit40iger in XXXXXl immer so heissen, kämpfen mutig gegen die böse Wasserverdrängung an, um sich einen guten Platz zu sichern und freuen sich sichtlich drauf, sich mit möglichst wenig Leiden wieder etwas zu erarbeiten, was man biologisch Körper nennen kann und wofür der Vaddi auch mal wieder 20 Minuten früher aus der Kneipe kommen will. Aber sie werden enttäuscht. Vom Beckenrand plärrt es gnadenlos: “ Das muss Euch richtig weh tun hier!“
*denke mir, dann reicht es ja schon an der seite zu sitzen und zuzuschauen*
Die Tschakka Trulla verfällt kurzfristig in die Stimmlage eines Unterfeldwebels bei der Begrüßung neuer Rekrutenopfer zur Grundausbildung: „Ich habe drei Lieblingswörter _ höher, schneller, weiter!“
*als ich sie vorher noch in Stiefel und YSL Täschen gesehen habe, da dachte ich noch ihre schlagworte wären eher „dran, drauf, drüber“, aber so kann man sich irren*
Und kaum waren die ersten Klänge des Eurodance Beats aus den 90er, die wir damals schon unsäglich fanden, erklungen, schon wogten die Wellen, die Gischt spritzte und der Wasserwiderstand gab entnervt auf. Die menschlichen Exxon Valdez Schwergewichte hatten sich in Bewegung gesetzt und gaben alles was sie hatten. Von einem Bein aufs andere hüpfen. Wow. Es ist ein herrliches Bild wie 30 Babyelefanten im Wasser auf und nieder wippen und dabei im Gesicht diesen ambivalenten Ausdruck von „mir machts Spass, glaube ich, weiss aber genau wie bescheuert ich grad aussehen muss“ haben. Ich stelle mir vor, wie Heinz Sielmann hinter einer Sonnenliege versteckt in eine Kamera berichtet: „Sie sehen hier diese majestätischen Tiere, deren Körper jahrelang der eisernen Schwerkraft ausgesetzt waren.“
*ich bin aber hier alleine auf den liegen und deswegen wende ich mich dem eigentlichen vergnügen zu. das findet ausserhalb des wassers statt.*
Hast Du schonmal drauf geachtet wie bizarr und losgelöst Aqua Gym Trainer bei der Ausübung ihres Berufes aussehen? Die machen nämlich diese ganzen grenzdebilen Bewegungen ohne den gnädigen Sicht-Schutz des Wasser vor. Jahaa. Die hüpfen und hopsen und rudern mit den Armen und erinnern eher an den Balztanz der Tropenente oder merkwürdige russische Rituale, die nach einem Liter Vodka aufs Parkett gesemmelt werden. Die sind sich dabei für nichts zu Schade. Hüpfend, strampelnd, wedelnd.
*ist dir schonmal aufgefallen, dass es im schwimmbad keine spiegel gibt. das ist der grund. aquy gym . wenn sich da jemand bei sieht, haijaijai.*
Mit „Yeah“ und „schneller“ und „Knie hoch“ peitscht die quirrlige Quältante ihre armen Opfer an den Rand des Kollaps. Würde man so mit echten Walen umgehen, wäre längst Greenpeace mit´m Schlauchboot am Start.
Wie überall im Leben, gibt es natürlich die Vögel, die denken, sie kämen mit dem Weg des geringsten Widerstandes an ihr Ziel. Auch hier. Die Mitglieder der Gattung Tyrannosaurus Femininus aus der Familie der Tortenfresser stehen ganz hinten und denken sich mit ein wenig Plantschen ist die Sache getan und nach 5 Besuchen sitzt das Brautkleid wieder. Diesen Doppelwhoppern in strapazierfähiger Nylonhülle sitzt aber die Gier nach dem nächsten Stück Eierschecke direkt hinter der Pupille. Man möchte ihnen zurufen: Mädel anstatt mir meine Schwimmbahn zu blockieren, da lass doch nächste Mal beim Kränzchen einfach das Kilo Schlagsahne weg und sag nach dem 8 Stück freundlich Stopp.
*man wird aggresiv bei sowas. Denn diese weiblichen berge begrenzen ja nicht nur die ausübung meines sportes sondern sitzen ja im flugzeug auch gerne mal neben mir. und während ihre fleischwulst langsam in meinen sitz überquillt, schleudern sie ohne scham die packung erdnüsse mit einem wurf in ihren schlund. ohne reue, zumindest ohne sichtbare.*
Weisst Du was ich gerne mal tun würde? Beim Bäcker, wenn eine dieser Dolomitendamen bestellt: „5 Croissants und 10 Mohnkuchen, ach nee 15, wir sind ja heute zu dritt!“, hingehen und einfach nur beschwörend die Augenbrauen hochziehen und: „Na na na na na!“
Aber auf der anderen Seite weiss man ja auch wie gefährlich Rhinozerosse sind. Ich lass es lieber und warte bis mein Schwimmbecken wieder frei ist. Leider ist es nach dem Eintauchen der Monstermamas meist auch frei von Wasser.
Schöne Woche
PS: Und an alle Rechtschreibmuddis: Silence !